Sport
Dossier: Schwingen, Hornussen, Steinstossen – Schweizer Nationalsportarten
Ob Schwingen im Sägemehl, Hornussen auf Feldern oder Steinstossen mit einem jahrhundertealten Granitbrocken – die Schweizer Nationalsportarten leben von ihren Traditionen. Auf unzähligen Festen werden sie ausgetragen. So auch im September 2011 auf dem Unspunnen Schwinget in Interlaken. weiterlesen
Schwingen – Kämpfen um den Hoselupf
Urchige Männer im Sägemehl, die sich an sackartigen Hosen fassen, ihre stierstarken Nacken ineinander verhaken und versuchen, sich gegenseitig zu Boden zu bringen: Schwingen ist die Königsdisziplin der Schweizer Nationalsportarten. Schwingen boomt, Schwingerfeste sind ausverkauft, der Schwingerkönig hat seinen festen Platz in der Schweizer Promi-Welt. Reich wird solch ein König jedoch nicht. Bis heute gibt es statt Preisgeldern Kuhglocken, Bauernmöbel und als Hauptpreis eine Muni, einen Zucht-Stier.
Schwingen ist ein Sport, der auf Tradition setzt. Schwingende Frauen sind vielen Männern bis heute ein Dorn im Auge. Dennoch: 1992 wurde auch für das «Wyberschwinget» ein eidgenössisches Fest ins Leben gerufen. Für die Männer hingegen gibt es gleich drei Gelegenheiten, ihre Kräfte auf nationaler Ebene zu messen. Der wichtigste Wettkampf ist das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest. Alle drei Jahre wird hier der Schwingerkönig erkoren. Daneben geniessen das Unspunnen Schwinget bei Interlaken und das Kilchberg Schwinget nationale Bedeutung.

Buch-Tipp
Thomas Renggli
«Schwingen: Ein Schweizer Phänomen»
(FONA Verlag, 2010)
Hornussen – ein beschauliches Spiel
Engländer lieben Cricket, die USA schwören auf Baseball – in der Schweiz spielt man Hornussen. Alles dreht sich dabei um den Nouss, eine kleine Kunststoffscheibe, die einst aus Horn oder Holz gefertigt war. Eine Mannschaft schlägt den Nouss weit in das Spielfeld hinein, während die andere versucht ihn so früh wie möglich zu stoppen – bewaffnet mit Schindeln, an Stielen befestigten Holzbrettern. Gewonnen hat die Mannschaft, bei der weniger Hornussen ungestoppt im Spielfeld zu Boden gegangen sind.
Ursprünglich war Hornoussen ein Wettkampf zwischen Bauern und wurde hauptsächlich im Herbst auf den abgeernteten Feldern gespielt. Der Acker als Spielfeld hat sich bis heute gehalten, genau wie die Abneigung gegen lautes Jubeln und Klatschen. Hornussen ist ein stiller, beschaulicher Wettkampf. Ausgeübt wird er von allen Altersklassen. Nicht selten spielen Grossvater, Vater und Enkel in einem Team.
Wussten Sie, dass der Nouss bei einem perfekten Treffer bis zu 300 km/h schnell, 70 Meter hoch und über 300 Meter weit fliegen kann?
Steinstossen – urwüchsiges Kräftemessen
Diese Sportart braucht gar keine Regeln: Ein bärenstarker Mann stemmt einen oft über 50 Kilogramm schweren Stein in die Höhe, nimmt Anlauf und stösst ihn so weit er kann von sich. Steinstossen ist eine der ältesten Sportarten der Menschheit, zum Wettkampf jedoch haben ihn Schweizer Hirten und Sennen gemacht. Alles was man brauchte war ein Stein, am besten einen von den Gletschern der Alpen.
Berühmtheit erlangte der Unspunnenstein. Mit seinen 83,5 Kilo sind nur wenige Männer in der Lage, ihn überhaupt zu heben. Der Granitbrocken wurde bereits auf dem ersten Alphirtenfest 1805 in Unspunnen gestossen. Doch dann war er über ein Jahrhundert lang verschollen, wurde mehrmals gestohlen – und tauchte am 23. August 2011, pünktlich zum Schwinget ’11 wieder auf.
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