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Dossier: Radsport – die Schweiz im Velo-Fieber

Publiziert 08. Juni 2011, 17:09 Uhr, Aktualisiert 12. Juni 2012, 10:36 Uhr

Radsport hat Tradition in der Schweiz. Schon seit 1933 dreht sich jedes Jahr im Juni alles um die Tour de Suisse. In den 50er Jahren entfachten Ferdy Kübler und Hugo Koblet mit ihren strammen Waden ein wahres Radsportfieber. Aber auch die Offene Rennbahn Oerlikon und das Sechstagerennen erzählen Schweizer Radsportgeschichte. weiterlesen

Drü, zwei, eis – die Anfänge des Velofiebers  

Der eine ein Charmeur, den Kamm immer griffbereit, der andere eher bodenständig: Die Radrennfahrer Hugo Koblet und Ferdy Kübler brachten Anfang der 1950er Jahre die Frauen zum Schwärmen und die Männer aufs Rennrad. Die frühen Fernseh-Bilder, auf denen sich Koblet, «Le pedaleur de charme» und «Ferdy national» auf ihren Stahlrädern die Siege erkämpfen, sind in die Schweizer Radsportgeschichte eingegangen. Bis heute sind sie die einzigen Schweizer, die die Tour de France gewonnen haben.

Doch seit den 50ern hat sich der Sport rasant verändert: Die Materialien werden leichter, die Räder schneller, die Preisgelder höher – und das Thema Doping lässt sich aus dem einstigen Heldensport nicht mehr wegdenken. Von diesen Veränderungen erzählen auch die Geschichten der späteren Generationen: von Beat Breu über Tony Rominger bis hin zu Axel Zülle. Der derzeitige Star am Schweizer Radsporthimmel heisst Fabian Cancellara.

Bergig – die Tour de Suisse

Hartgesottene Radsportfans freuen sich jedes Jahr auf die warme Jahreszeit, wenn die grossen Strassenrennen beginnen. Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta a Espana sind die wichtigsten. Sie werden respektvoll «Die grossen Drei» genannt. Doch gleich auf Rang 4 folgt die Tour de Suisse. Seit 1933 bewältigen internationale Veloprofis jedes Jahr im Juni bis zu zwölf Etappen, um zum Ziel zu kommen. Dazu gehören mehrere Bergetappen und ein Zeitfahren. Der Führer in der Gesamtwertung trägt das Goldene Trikot.

Die Tour de France – ein erfolgreicher PR-Gag

1903 suchte Henri Desgrange verzweifelt einen Weg, den Bekanntheitsgrad seines Radsport-Magazins «L’Auto» zu steigern. Ein Redakteur hatte die Idee, «die grösste Radfahr-Prüfung, die je organisiert wurde» zu lancieren. Die Tour de France war geboren. Desgranges PR-Gag hatte Erfolg: Die Konkurrenz-Zeitschrift „Le Vélo“ ging pleite und die Tour gibt es bis heute. Übrigens wurde «L’Auto» damals auf gelbem Papier gedruckt, was dem Gelben Trikot seine Farbe geben sollte. Desgrange führte es 1919 ein, damit Zuschauer und Medien den Führer der Gesamtwertung sofort erkannten.

Traditionsreich – die Offene Rennbahn Oerlikon

Zum Schweizer Radsport gehört untrennbar die Offene Radrennbahn Zürich-Oerlikon. Sie ist die älteste Sportanlage des Landes und galt bei ihrer Erbauung 1912 als architektonisches Meisterwerk – bis heute ist sie die schnellste Europas. So wurde sie zur bedeutenden Talentschmiede: Elf Schweizer Weltmeister legten dort den Grundstein für ihre Karriere, auch Hugo Koblet und Ferdy Kübler.

2012 feiert die Bahn ihr hundertjähriges Jubiläum, dann läuft auch der derzeitige Mietvertrag aus. Was danach kommt, steht in den Sternen. Der Abriss droht, die Stadt Zürich hätte für das Gelände einige Pläne in der Tasche – vom Hallenbad bis zum Kongresszentrum. Das Herz vieler Zürcher schlägt anders: Sie sehen «ihre» Rennbahn als das schützenswerteste Objekt der Stadt.

Die besten Schweizer Fahrer und ihre Erfolge
Fabian Cancellara

Junioren-Weltmeister im Zeitfahren 1998, 1999
Weltmeister im Einzelzeitfahren 2006, 2007, 2009, 2010
Olympiasieger im Einzelzeitfahren 2008
Gewinner der Tour de Suisse 2009

Alex Zülle

Weltmeister im Einzelzeitfahren 1996
Gewinner der Vuelta a Espana 1996, 1997
Gewinner der Tour de Suisse 2002

Pascal Richard

Olympiasieger im Strassenrennen 1996
Gewinner der Tour de Suisse 1994

Tony Rominger

Gewinner des Giro d’Italia 1995
Gewinner der Vuelta a Espana 1992, 1993, 1994 (als erster Radprofi drei Mal in Folge)

Beat Breu

Gewinner der Tour de Suisse 1981, 1989

Urs Zimmermann

Gewinner der Tour de Suisse 1984

Hugo Koblet

Gewinner der Tour de France 1951
Gewinner des Giro d’Italia 1950 (als erste Nicht-Italiener)
Gewinner der Tour de Suisse 1950, 1953, 1955

Ferdy Kübler

Gewinner der Tour de France 1950
Gewinner der Tour de Suisse 1942, 1948, 1951

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