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Dossier: Fifa – zwischen Fussballfieber und Korruption

Publiziert 29. Juni 2011, 15:12 Uhr, Aktualisiert 18. Juli 2012, 16:20 Uhr

Schlammschlacht vor den Präsidentenwahlen und Korruptionsvorwürfe: Der Weltfussball-Verband Fifa sorgte in seiner über 100-jährigen Geschichte immer wieder mit Skandalen für Schlagzeilen. Fussball ist ein knallhartes Geschäft. Und niemand scheint es besser zu verstehen als Joseph Blatter. Im Juni 2011 wurde der Walliser für eine vierte Amtsperiode zum Präsidenten gewählt. weiterlesen

Der König bleibt an der Macht
Man hat Joseph Blatter oft den König des Weltfussballs genannt. Und nicht erst seit dem 1. Juni 2011 ist klar: Der Walliser beherrscht das Machtspiel abseits des Fussball-Rasens wie kein anderer. Mit über 90 Prozent der Stimmen hat ihn der Fifa-Kongress für eine vierte Amtsperiode bis 2015 zum Präsidenten des Weltfussball-Verbandes gewählt. Dabei stand er noch wenige Tage vor dem Entscheid mit dem Rücken zur Wand. Die Wahlen waren überschattet von einer erneuten Korruptions-Affäre der Fifa (Internationale Föderation des Verbandsfussballs). Der wegen Bestechungsverdacht suspendierte Spitzenfunktionär Jack Warner warf Blatter vor, selber im grossen Stil geschmiert zu haben. Von einer Spende in Millionen-Höhe für den Fussball-Verband von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik war die Rede. Doch die Ethikkommission der Fifa sprach Blatter schliesslich frei. Und als er auch noch Reformen (siehe Box) versprach, war die Wiederwahl gesichert.

Reformen in der Fifa

Im Vorfeld der Fifa-Präsidentenwahl Anfang Juni 2011 brachte Joseph Blatter Reformvorschläge vor. Die doppelte WM-Vergabe 2018 (Russland) und 2022 (Katar) hat Gerüchte, Beschuldigungen und Absprachen geradezu impliziert. Deshalb soll künftig nicht das Exekutivkomitee, sondern der Kongress über die WM befinden. Darüber hinaus will Blatter die Fifa-interne Ethikkommission stärken. Zudem soll als eine zusätzliche Kontrollinstanz eine Spezial-Kommission gebildet werden. Sie soll den Problemen der Fifa auf den Grund gehen und Korrekturen einleiten.

Korruption und Machtmissbrauch
Die Fifa und ihr scheinbar unverwüstlicher Präsident Joseph Blatter blicken auf eine lange Folge von Skandalen zurück. Eine weitere Fifa-Affäre wird im Umfeld der Vergabe der Fussball-WM für das Jahr 2022 vermutet. Das Exekutivkomitee hatte Ende 2011 Katar als Austragungsort bestimmt. Seither reissen die Gerüchte nicht ab, dass die Ölscheichs des Wüstenstaates die WM mit Petro-Dollars gekauft hätten. Doch schon vor der Ausmarchung der Austragungsorte war es zum Eklat gekommen: Zwei Exekutivmitglieder hatten ihre Stimmen zum Verkauf angeboten. Die Funktionäre waren verdeckten Reportern der «Sunday Times» auf den Leim gegangen. Ein weiterer aufsehenerregender Skandal ereignete sich in den 1990er Jahren rund um die Vermarktungsfirma ISL/ISMM: Laut BBC-Reportern soll die Firma mit Sitz in Zug Fifa-Exekutivmitglieder Schmiergeld in Millionen-Höhe gezahlt haben, um sich lukrative TV- und Marketingverträge zu sichern. Das Verfahren wurde mit einem Vergleich beendet.

Fussball – ein Milliardengeschäft
Die Fifa wurde 1904 in Paris gegründet. Gründungsmitglieder waren die nationalen Fussballverbände Frankreichs, Dänemarks, Schwedens, Belgiens, Spaniens, der Niederlande und der Schweiz. Der erste grosse Fussball-Wettbewerb fand während der Olympischen Sommerspiele 1908 in London statt. Die erste WM veranstaltete die Fifa allerdings erst 1930. Seit 1993 hat die Fifa ihren Sitz in Zürich – 2004 wurde der neue Hauptsitz bezogen, ein 240-Millionen-Franken-Bau. Bis heute haben sich in der Fifa 208 Nationalverbände zusammengeschlossen. Sie werden von der Fifa finanziell und logistisch unterstützt – zum Beispiel beim Austragen von Turnieren. Die Fifa selbst besteht wiederum aus sechs Kontinentalverbänden, darunter der Uefa (Vereinigung Europäischer Fussballverbände). Seit 1998 ist Joseph Blatter Präsident der Fifa. Der Weltfussball-Verband finanziert sich durch Werbeverträge und Fernsehausstrahlungslizenzen. Allein die weltweiten Fernsehrechte für die Fussball-Weltmeisterschaften der Männer 2002 und 2006 brachten der Fifa umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro ein.

Organisation der Fifa

Die beiden wichtigsten Gremien der Fifa sind der Kongress und der Exekutiv-Ausschuss, dem der Präsident der Fifa, derzeit Joseph Blatter, vorsitzt. Der Kongress entscheidet unter anderem über die Aufnahme neuer Nationalverbände und wählt den Fifa-Präsidenten. Jeder Nationalverband hat eine Stimme. Das Exekutiv-Komitee wiederum besteht neben dem Präsidenten aus acht Vize-Präsidenten und 15 Mitgliedern. Diese werden jeweils durch die einzelnen sechs Konföderationen ernannt. Ausnahme: Der Vizepräsident der britischen Verbände wird direkt durch diese gewählt. Das Exekutiv-Komitee bestimmt unter anderem die Spielorte und -termine.

Joseph Blatter

Joseph Blatter, geboren 1936 in Visp (VS), ist seit 1998 der achte Präsident des Weltfussball-Verbandes Fifa. Am 1. Juni 2011 wurde er auf dem 61. Kongress der Fifa im Zürcher Hallenstadion mit 186 von 203 Stimmen für eine vierte Amtszeit als Präsident bis 2015 wiedergewählt. Laut Medien-Berichten beläuft sich sein Jahresgehalt auf umgerechnet eine Million US-Dollar. Blatter trat bereits 1975 als Direktor der Entwicklungs-Programme in den Dienst der Fifa ein. Von 1981 bis 1998 war er Generalsekretär der Fifa.

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