Schweiz
Dossier: Atomenergie-Debatte
Der Entscheid ist historisch: Die Schweiz steigt mittelfristig aus der Atomenergie aus. Am 25. Mai 2011 gibt Energieministerin Doris Leuthard bekannt, dass in Zukunft keine weiteren Atomkraftwerke gebaut werden. Doch an das Ende einer Jahrzehnte dauernden Debatte schliesst sich eine neue: Wie soll der Atomstrom ersetzt werden? weiterlesen
Ein historischer Entscheid
Von einem historischen Entscheid spricht Bundesrätin Doris Leuthard, als sie den Beschluss des Bundesrates bekannt gibt. Die bestehenden Schweizer AKW werden bis zum Ende ihrer Laufzeit am Netz gehalten. Als letztes soll Leibstadt circa 2034 abgeschaltet werden – dann ist die Schweiz frei von Atomenergie. Drei Bedingungen sind an diesen Ausstieg geknüpft: Die Wasserkraft wird ausgebaut, die neuen erneuerbaren Energien werden stark gefördert und Anreize geschaffen, Strom zu sparen.
Beide Kammern wollen Ausstieg
Ein halbes Jahr nach der Atomkatastrophe in Fukushima sind die Weichen für die Energiewende gestellt: In der Schweiz soll der Bau neuer Atomkraftwerke verboten werden. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat am 28. September 2011 dem Ausstieg aus der Atomenergie zugestimmt.
Neue AKWs auf Eis gelegt
Es war die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima, die diesem Entscheid vorangegangen ist. Der Bundesrat reagierte auf das Unglück mit Nachdruck: Er legte sämtliche Bewilligungsverfahren für AKW in der Schweiz vorerst auf Eis. Genau ging es um die Gesuche der Stromkonzerne Axpo, Alpiq und BKW, drei neue Kernkraftwerke zu bauen – in Mühleberg, Beznau und Gösgen.
Atom-Debatte seit Tschernobyl
Nach dem Unglück in Tschernobyl stimmte die Schweiz 1990 für einen zehnjährigen AKW-Baustopp. 2000 kam dann die Wende. Das Ende des Moratoriums und das neue CO2-Gesetz brachten eine Renaissance der Atomenergie. Befürworter sahen im Atom-Strom wegen der CO2-Frage eine saubere Alternative zur fossilen Energie. Doch auch wenn der Ausstieg beschlossen wurde, ist die Schweiz derzeit noch auf Atom-Strom angewiesen.
Energiepolitisches Entwicklungsland
Die fünf Kernkraftwerke in der Schweiz zusammen produzieren heute 3253 Megawatt Leistung und decken damit 40 Prozent des Schweizer Strombedarfs ab. Eine Alternative zum Atom-Strom könnten erneuerbare Energien wie Windenergie und Sonnenenergie bilden. Diesbezüglich ist die Schweiz aber noch ein Entwicklungsland. Investitionen sind erforderlich. Ausserdem ist der Landschaftsschutz gefragt, wenn es darum geht, Ausbauprojekte gutzuheissen.
Der Schweizer Energiemix
Die Schweiz gewinnt knapp 40 Prozent ihrer Energie aus Atomkraft, damit liegt sie über dem europäischen Durchschnitt von 33 Prozent. Der Hauptanteil der Stroms wird durch Wasserkraft erzeugt, etwa 56 Prozent. Durch ihre Topographie und die Niederschlagsmengen finden sich in der Schweiz ideale Bedingungen dafür. Andere alternative Energien wie Sonne, Holz, Biomasse, Wind, Geothermie und Umgebungswärme sind nicht so entwickelt, allerdings ist deren Ausbau vorgesehen. Die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wie Erdöl oder Steinkohle macht rund 5 Prozent aus.
Die Schweiz schien lange Zeit ihren optimalen Strommix aus Wasser und Kernkraft gefunden zu haben – er beschert der Schweiz die beste CO2-Bilanz Europas. Doch nun bekommen Atomkraftgegner durch die drohende atomare Katastrophe in Japan neuen Aufwind.
Auf einen Blick: Schweizer Kernkraftwerke
| Beznau 1 + 2 (Kanton Aargau) |
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Inbetriebnahme: 1969 bzw. 1971 |
| Gösgen (Kanton Solothurn) |
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Inbetriebnahme: 1979 |
| Leibstadt (Kanton Aargau) |
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Inbetriebnahme: 1984 |
| Mühleberg (Kanton Bern) |
|
Inbetriebnahme: 1972 |

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