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Dossier: Japan – die Fukushima-Katastrophe
Ein Schock geht um die Welt, als am 11. März 2011 ein Tsunami das High-Tech-Land Japan heimsucht und eine atomare Katastrophe auslöst: Im Kernkraftwerk Fukushima fallen mehrere Kühlreaktoren aus. Die gemessenen Strahlenwerte schnellen auf die höchste internationale Stufe 7. Diese erreichte bisher nur die Tschernobyl-Havarie. weiterlesen
Japans Apokalypse
Tausende Tote und Zehntausende vermisst: Am 11. März 2011 erschütterte das heftigste Erdbeben in der Geschichte Japans mit der Stärke 9,0 den Nordosten des Landes. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai. Es löste eine über zehn Meter hohe Flutwelle aus. Fernsehbilder zeigen, wie an der Ostküste des Landes Autos und Schiffe von den Wassermassen mitgerissen wurden. Doch noch grösser als das Zerstörungspotential des Tsunamis erscheint die Bedrohung durch einen Atomunfall. Im Kernkraftwerk Fukushima, nur zwei Autostunden von Tokio entfernt, war durch das Beben das Kühlsystem mehrerer Reaktoren ausgefallen. Japan erlebt eine atomare Katastrophe.
Fukushima auf Tschernobyl-Niveau eingestuft
Japan hat die Atomkatastrophe von Fukushima auf die höchste internationale Stufe 7 angehoben. Diese erreichte bisher nur der Tschernobyl-Unfall von 1986. Allerdings beziehe sich die Bewertung auf den Zeitpunkt des Ausbruchs der Katastrophe am 11. März. Seitdem sind die Werte der radioaktiven Verseuchung gesunken. Die in Fukushima freigesetzte Menge an radioaktiven Materialien beträgt nach Einschätzung der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) rund zehn Prozent der Menge von Tschernobyl.
Die internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) besteht aus 7 Stufen sowie einer Zusatz-Stufe und wurde im Auftrag der IAEA von einer internationalen Expertengruppe erarbeitet. Folgende Beispiele illustrieren die Bewertungsskala.
| Stufe 7 |
«Katastrophaler Unfall». Schwerste Freisetzung radioaktiver Stoffe: Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld. |
UdSSR, Tschernobyl 1986, Japan, Fukushima 2011 |
| Stufe 6 |
«Schwerer Unfall». Erhebliche Freisetzung radioaktiver Stoffe: Voller Einsatz der Katastrophenschutzmassnahmen. |
UdSSR, Kyschtym, 1957 |
| Stufe 5 |
«Ernster Unfall». Begrenzte Freisetzung radioaktiver Stoffe: Einsatz einzelner Katastrophenschutzmassnahmen. |
Schweiz, Lucens, 1969 |
| Stufe 4 |
«Unfall». Geringe Freisetzung radioaktiver Stoffe: Kontamination des Personals, geringe Strahlenexposition der Bevölkerung. |
USA, Enrico Fermi, 1966 |
| Stufe 3 |
«Ernster Störfall». Sehr geringe Freisetzung radioaktiver Stoffe: Kontamination des Personals, sehr geringe Strahlenexposition der Bevölkerung. |
Frühere DDR, Greifswald, 1975 |
| Stufe 2 |
«Störfall». Begrenzter Ausfall der Sicherheitsvorkehrungen. |
Schweiz, Leibstadt, 2010 |
| Stufe 1 |
«Störung». Abweichung vom normalen Betrieb der Anlage. |
Frankreich, Cattenom, 2009 |
| Stufe 0 |
«Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung». |
Deutschland, Krümmel, 2007 |
Konsequenzen für die Weltwirtschaft
Mit Angst schaut die Welt auf Japan. Neben den menschlichen Schicksalen sorgen sich Ökonomen um die wirtschaftlichen Folgen des Unglücks. Japan ist eine der grössten Volkswirtschaften der Welt. Eskaliert die Situation, droht der japanischen Wirtschaft ein Abschwung, der auch die Nachbarländer in die Rezession stürzen könnte. Japan war schon vor der Krise angeschlagen. Als exportstarke Volkswirtschaft war der Insel-Staat besonders stark von der Finanzkrise getroffen: 2009 brach die Wirtschaft um mehr als fünf Prozent ein, so stark wie in keinem anderen Industrieland der Welt.
Das stärkste Erdbeben in der japanischen Geschichte
Japan wird immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Das Land liegt an der geologischen Schnittstelle von vier tektonischen Platten der Erdkruste. Teile der Pazifischen Platte schieben sich dort unter die Kontinentalplatte Eurasiens. Das führt zu häufigen Erdbeben. Nimmt man aber die regionale Ausdehnung und die Stärke des Bebens vom 11. März 2011, ist es das bisher grösste in der Geschichte Japans. Einiges grösser als das Erdbeben von Tokio, bei dem 1923 mehr als 100'000 Menschen starben. Und viel grösser als das Erdbeben in der westjapanischen Hafenstadt Kobe 1995, das mehr als 6'000 Menschen das Leben kostete.


