Natur
Dossier: Tsunami – die Monsterwelle
Die Welt schaut schockiert auf Japan. Nach einem schweren Erdbeben vernichtete eine Riesenwelle ganze Städte und begrub unzählige Menschen unter sich. Immer wieder entstehen Tsunamis auf dem offenen Meer, meist durch Erdbeben. Doch erst, wenn die Monsterwellen auf das Festland treffen, zeigt sich ihre geballte zerstörerische Gewalt. weiterlesen
Welle der Vernichtung
Japan befindet sich derzeit im Ausnahmezustand. Am 11. März erschütterte ein schweres Erdbeben der Stärke 9 das Land. Es löste mehrere Flutwellen aus, die ganze Städte vernichteten. Über 10‘000 Menschen sind bisher als Opfer zu beklagen, mit Tausenden weiteren wird gerechnet. Die Bilder aus Japan rufen Erinnerungen an die schreckliche Flutkatastrophe 2004 in Asien wach, bei der 231‘000 Menschen ums Leben kamen.
Wie entstehen Tsunamis?
Die mörderischen Riesenwellen entstehen zu 86 Prozent durch Erdbeben unter Wasser, sogenannte Seebeben. Das Seebeben im Indischen Ozean im Jahr 2004 wurde ausgelöst, als sich die indisch-australische Kontinentalplatte unter die eurasische schob und der Meeresboden in Sekundenbruchteilen nach unten sackte. In Japan taucht die Pazifische unter die Eurasische Platte und ist dadurch eines der erdbebengefährdetsten Gebiete der Welt. Bersten oder verschieben sich die riesigen Erdplatten, wird der Grund des Ozeans erschüttert. Tausende Kubikkilometer Wasser werden in Bewegung gesetzt, die sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1‘000 Km/h vorwärtsbewegen. In den Tiefen des offenen Meeres werden sie meist gar nicht wahrgenommen, sobald sie aber in den flachen Küstenbereich kommen, wird es gefährlich: Die Welle wird in ihrer Geschwindigkeit abgebremst und türmt sich zu einer monströsen Wasserwand auf, die bis zu 30 Meter hoch werden kann und als gewaltige Brecher kilometerweit ins Landesinnere vordringen kann.
Eine weltweite Gefahr
Am häufigsten treten Tsunamis im Pazifik auf. Besonders aktiv ist die Gegend um den «Pazifische Feuerring», ein Vulkangürtel, um den die Erde mehrmals jährlich so stark bebt, dass daraus ein Tsunami entsteht. Japan liegt inmitten dieses Rings. Doch Tsunamis können in allen grösseren Weltmeeren auftreten, auch im Mittelmeer oder Atlantik. Besonders gefährlich werden sie – und nur dann erfahren wir von ihnen – wenn sie über besonders bevölkerungsreiche oder touristische Gegenden hereinbrechen, wo sie Millionen von Menschenleben gefährden.
Grosse Welle im Hafen
Der Name Tsunami bedeutet «grosse Welle im Hafen» und stammt von japanischen Fischern, die vom Fischfang zurückkehrten und im Hafen alles verwüstet vorfanden, obwohl sie auf See keine Welle gesehen hatten. Knapp ein Fünftel der pazifischen Tsunamis werden von Erdbeben in Japan verursacht.


