Kultur
Dossier: Filmszene Schweiz
Film wird in der Schweiz grossgeschrieben - und es herrscht Aufbruchsstimmung: Eine Reihe junger Regisseure und Regisseurinnen geben dem hiesigen Filmmarkt Auftrieb. Nur an den Kinokassen hat der Schweizer Film nicht immer den gewünschten Erfolg. weiterlesen
Hat der Schweizer Film eine Zukunft?
Diese Frage treibt die hiesige Filmbranche seit den 1960er Jahren um. Bislang ohne Antwort. Damals, 1966, wurden die Solothurner Filmtage gegründet, als Werkschau des Schweizer Films, die eben diesen fördern soll. Dort wird er abwechselnd totgesagt und hochgejubelt, wird über die Filmförderung gestritten, werden neue Regietalente entdeckt. Derzeit herrscht in Solothurn Aufbruchsstimmung. Der ehemalige Festivalleiter und heutige Chef der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur, Ivo Kummer, sieht zwei Gründe: die lange vergessene Erkenntnis, dass ein guter Film nicht nur an hohen Zuschauerzahlen zu erkennen ist, gepaart mit einem entsprechenden Umdenken in der Filmförderung.
Kino Ja, Schweizer Filme Nein
Die Schweizer gehen ausgesprochen gerne ins Kino. Selten jedoch, um einen Schweizer Film zu sehen. Rund 15 Prozent der in der Schweiz gezeigten Filme waren 2010 Schweizer Produktionen. Ihr Marktanteil hingegen macht gerade einmal 5,5 Prozent aus. Das ist immerhin mehr als im Vorjahr. Dennoch ist bis heutet der meistgesehene Schweizer Film von 1982: Rolf Lyssys «Die Schweizermacher». Um die Präsenz des Schweizer Filmschaffens beim Schweizer Publikum zu stärken wurde 1998 der Schweizer Filmpreis ins Leben gerufen. Seitdem wird jährlich der beste Film prämiert, seit 2009 heisst die Gewinner-Trophäe «Quartz».
Der Schweizer Markt ist zu klein, um von einer Filmindustrie zu sprechen. «Für eine Schweizer Filmproduktion ist es fast unmöglich, im kleinen Heimmarkt die Kosten wieder einzuspielen». Matthias Knauer, Publizist und Filmemacher aus Zürich (Quelle: 20 Minuten Online)
Popcorn-Kino oder Autorenfilm?
Erst 2003, gut zehn Jahre nach den «Schweizermachern», folgte ein neuer Kassenschlager: Mike Eschmanns Komödie «Achtung, fertig, Charlie!» galt bei vielen Kritikern zwar als mittelmässiges Popcorn-Kino, das Publikum hingegen war begeistert. Der Erfolg fiel in eine Zeit, in der Bewegung in das Schweizer Filmschaffen kam. Argwöhnisch wurde das Aufkommen eines Produzentenkinos beobachtet, das eher auf finanzielle Erfolge setzt, statt auf Qualität. Gleichzeitig feierten junge, selbstbewusste Autorenfilmer wie Bettina Oberli («Die Herbstzeitlosen»), Micha Lewinsky («Der Freund») odewr Peter Luisi («Der Sandmann») mit guten Geschichten unerwartete Erfolge. Eine Diskussion wurde angestossen, die bis in die obersten Etagen der Bundes-Filmförderung reicht: Welche Filme sollten für eine lebendige Filmszene unterstützt werden, potenzielle Publikumsmagneten oder kleinere, imagebringende Autorenfilme?
Die Schweiz und die anderen
Auch wenn die Schweizer Filmszene klein ist, bei den internationalen Filmfestivals ist das Land ganz vorne dabei. Das Internationale Filmfestival in Locarno zeigt jedes Jahr im August internationale Kinoproduktionen und zieht seit seiner Gründung 1946 zur Freude der Veranstalter und des Publikums auch immer wieder Stars und Sternchen der Filmszene an. Das Festival «Visions du réel» in Nyon am Genfersee hat sich schon lange den Ruf als eines der bedeutendsten internationalen Dokumentarfilm-Festivals erworben. Das 2005 gegründete Zurich Film Festival ist gerade dabei, sich einen Namen in der Szene zu machen. Ob Locarno, Nyon oder Zürich, hier bekommen Schweizer Cineasten das aktuelle, weltumspannende Leinwandgeschehen präsentiert. Und die internationale Filmelite erhält einen Einblick in das kleine, aber feine Filmland Schweiz.
Die Kassenschlager
1. «Die Schweizermacher» (1978, Rolf Lyssy): 940'465 Eintritte
2. «Achtung, Fertig, Charlie» (2003, Mike Eschmann): 560'514 Eintritte
3. «Die Herbstzeitlosen» (2006, Bettina Oberli): 558'875 Eintritte
4. «Mein Name ist Eugen» (2005, Michael Steiner): 542'053 Eintritte
5. «Les petites fugues» (1979, Yves Yersin): 424'543 Eintritte
Quelle: Bundesamt für Kultur
Wussten Sie, dass 2010 in der Schweiz
… 418 Erstaufführungen in den Kinosälen gespielt wurden?
… der Preis für eine Kinokarte durchschnittlich CHF 15,49 betrug?
… 14'763'887 Eintritte in Schweizer Kinos verkauft wurden?
... 15,2% aller gespielten Filme Schweizer Filme waren?
... 12 Multiplexe (8 Säle oder mehr) existierten, was 116 Kinosälen entpricht?
Quelle: Bundesamt für Kultur


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