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Kultur

Dossier: Biennale in Venedig – Kunstausstellung mit Geschichte

Publiziert 23. Mai 2011, 15:33 Uhr, Aktualisiert 26. August 2011, 9:41 Uhr

Alle zwei Jahre verwandelt sich Venedig vom Touristenmekka in eine internationale Kunstmetropole. Auf der Biennale di Venezia trifft sich dann, wer in der Kunstwelt Rang und Namen hat: Künstler und Kuratoren, Sammler und Kritiker, Stars und Sternchen tun ihre Meinung zum aktuellen Kunstgeschehen kund. Kernstück der Biennale sind die Werkschauen in den Nationenpavillons. Auch die Schweiz ist vertreten, und das bereits seit über 90 Jahren. weiterlesen

Internationales Grossereignis

Sie wird die «Mutter aller Biennalen» genannt. Wenn die älteste Kunstausstellung der Welt alle zwei Jahre zwischen Juni und Oktober in Venedig ihre Pforten öffnet, ist das ein internationales Grossereignis. Die Biennale di Venezia ist ein Magnet für Künstler und Publikum, ein Ort der Bestandaufnahme und Diskussion des aktuellen Kunstgeschehens. Hier werden Künstler entdeckt, hier wechseln Kunstwerke den Besitzer, hier wird man gesehen und möchte gesehen werden. Ins Leben gerufen wurde die Biennale einst, um der Stadt Venedig neue, internationale Attraktivität zu geben. Das war 1895. Heute verzeichnet die Biennale um die 370‘000 Besucher, die sich in den Giardini, den öffentlichen Gärten am Ostrand Venedigs, inspirieren lassen: von den nationalen Positionen in den Länderpavillons und der internationalen Ausstellung im Palazzo dell’Espositione, dem Hauptpavillon der Biennale, den jedes Jahr ein anderer Kurator bestückt. Dieses Jahr ist es die Schweizerin Bice Curiger.

Schweizer Kuratoren

Die 53-Jährige Bice Curiger leitet seit 1993 das Kunsthaus Zürich, ist Chefredakteurin der Zeitschrift «Parkett» und engagiert sich seit Jahren für die Gegenwartskunst. Curiger ist bereits die zweite Schweizerin, die die Biennale leitet. 1999 und 2001 ging ihr der inzwischen verstorbene Kurator Harald Szeemann voraus. Curiger hat für «ihre» Biennale das Thema ILLUMInationi gewählt. Ein wandelbarer Begriff, der das Thema der Aufklärung beinhaltet, auf das besondere Licht Venedigs eingeht, aber auch auf die verschiedenen Nationen anspielen möchte, die Bice Curiger in Venedig zusammenbringt.

Die Länderpavillons

Die Länderpavillons sind umstritten und gleichzeitig das Besondere der Biennale: 29 Nationen haben einen ständigen Ausstellungsort in den Giardini, wo sie eine oder mehrere künstlerische Positionen ihres Landes präsentieren. Andere Staaten stellen ihre Kunst in angemieteten Räumen überall in Venedig aus. Doch es gibt auch Kritik am Konzept der Länderpavillons: Dieser Kampf der Nationen sei in der  internationalen Kunstwelt nicht mehr zeitgemäss. Den ersten Nationalpavillon erbaut Belgien 1907. Bald folgen weitere Staaten – die Schweiz ist seit 1952 mit dem von Bruno Giacometti entworfenen Pavillon vertreten. Für einen Künstler kann es den Durchbruch bedeuten, auf der Biennale vertreten zu sein, für die Schweiz bedeutet es, sich in der internationalen Kunstszene zu positionieren. Die Auswahl der künstlerischen Vertreter ist deshalb höchst politisch: Sie erfolgt durch das Bundesamt für Kultur, beraten durch die Eidgenössische Kunstkommission. Dieses Jahr wurden der polarisierende Künstler Thomas Hirschhorn ausgwählt.

Die Biennale als Spiegel der Zeit

Kunst und Zeitgeschehen greifen auf der Berlinale schon immer eng ineinander. Bereits 1928 erlebte sie die Vorläufer des Faschismus, als Mussolini die Biennale verstaatlicht. 1934  wählt er die Weltausstellung als Rahmen für sein erstes Treffen mit Hitler. 1964 zeigte die Biennale Pop Art – erstmals in Europa: Mit Robert Rauschenberg und Roy Liechtenstein triumphiert die USA über das bisherige Kunstmekka Paris. Auch die Studentenunruhen machten vor der Biennale nicht halt: 1968 behindern Studenten die Eröffnung der Biennale – rund 5‘000 Polizisten müssen die Künstler, Kritiker und Sammler vor wütenden Protestierenden schützen, die die Biennale als eines der scheusslichsten «Krankheitssymptome des venezianischen Kapitalismus» anprangern. Erneute Schlagzeilen macht die Biennale 1977: Moskau fühlt sich durch das Thema „Sowjet-Dissidenten“ herausgefordert und macht gegen die Kunstschau Stimmung. Genau wie die Welt erfährt auch die Biennale eine Öffnung nach 1989. Auch die Jugoslawien-Kriege in den 1990ern machen vor der Kunst nicht Halt. Mit dem diesjährigen Thema «ILLUMInationi» führt Bice Curiger den Diskurs weiter: In unserer globalisierten Welt spricht sie nicht mehr von der Kunst der Nationen – sie fragt die Künstler, wie die Kunst aussähe, wenn sie eine Nation wäre. Die Antworten wird man auf der Biennale 2011 erfahren.

Die Biennale 2011 in Zahlen

- findet vom 4. Juni bis 27. November 2011 in Venedig statt

- 3 Ausstellungsorte gibt es: Im Central Pavillon in den Giardini und dem Arsenale, einem einstigen Militärhafen, findet die internationale Ausstellung statt, daneben gibt es die Länderpavillons

- 89 Nationen präsentieren sich dieses Jahr auf der Biennale

- 29 von ihnen haben feste Pavillons in den Giardini   

- 83 Künstler und Künstlerinnen wählte Bice Curiger für die Gemeinschaftsausstellung aus, ein Drittel ist jünger als 35
- 80 Prozent der Kunstwerke entstanden in jüngster Zeit, die meisten eigens für die Biennale

Mehr Infos: www.labiennale.org

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