Inhalt

Gesellschaft

Dossier: Occupy – Aufstand gegen die Finanzwelt

Publiziert 09. November 2011, 9:37 Uhr, Aktualisiert 19. Oktober 2012, 10:14 Uhr

«Occupy!», «Wir sind die 99 Prozent!», «Empört euch!» – das sind die Slogans, mit denen Millionen Menschen rund um den Globus seit Wochen auf die Strasse gehen. Ihr gemeinsamer Feind: der Finanzkapitalismus. Ihr Ziel: die Welt verbessern. Für die Kritiker ist das zu schwammig. Doch der Kraft der Bewegung schadet es nicht. weiterlesen

Die 99 Prozent erobern New York

Es fing in New York an und wurde innerhalb eines Monats zur weltweiten Bewegung. Mit dem Slogan «Occupy Wall Street» besetzen am 17. September 2011 rund tausend Aktivisten den Zucotti-Park nahe des weltberühmten Finanzdistrikts in New York. Sie tragen T-Shirts und Transparente mit der Aufschrift «We are the 99%» – wir sind die 99 Prozent.

Ihr Protest ist eine Kampfansage an die Macht des 1 Prozents der reichsten US-Amerikaner, die sich auf Kosten der übrigen 99 Prozent schamlos bereicherten. Er richtet sich gegen die finanzmarkthörigen Politiker. Und gegen die wachsende Armut der grossen Masse. Anfangs werden die Aktivisten belächelt. Doch ihr Protest trifft den Nerv der Zeit.

Hunderte demonstrieren auf dem Paradeplatz

Der Funke springt rasend schnell auf andere Länder über. Tausende Menschen weltweit folgen am 15. Oktober dem Aufruf zu einem Internationalen Protesttag. In mehr als 1'600 Städten machen die Bürger ihrem Unmut Luft. Sie besetzen die internationalen Finanzzentren –  und vielerorts bleiben sie. Zeltstädte entstehen wie in London und Frankfurt.

Auch in der Schweiz brodelt es. „Rettet die Menschen, nicht die Banken“ heisst es in Zürich, wo Hunderte Menschen den Paradeplatz in Beschlag nehmen, den Hauptsitz von Credit Suisse und UBS. Ihr Hauptquartier bauen die «Occupy Paradeplatz»-Aktivisten am Lindenhof in der Zürcher Altstadt auf. In Genf campieren sie am Reformationsdenkmal. Doch immer wieder kommt Kritik: «Was wollt ihr genau?»

Die Empörten brauchen Forderungen

Die Forderungen der Empörten sind so vielschichtig wie ihre Anhänger. Die kommen aus allen Gesellschaftsschichten: Studenten, Rentner, Arbeitslose, Banker, Globalisierungsgegner, Konservative. Was sie eint ist die Sorge um ein Finanzsystem, das viele nicht mehr verstehen. Und die Wut auf Politiker, denen sie vorwerfen, die Macht der Banken, unkontrollierbare Finanzspekulationen und überhöhte Manager-Boni erst ermöglicht zu haben.

Die Kritik ist klar. Die Forderungen der Occupy-Bewegung sind es weniger. Konkrete Lösungen gibt es bisher wenige und sie sind so divers wie ihre Anhänger. Diese Vielfalt ist eine Stärke der Aktivisten. Sie ist gleichzeitig ihre Schwäche, denn ohne konkrete Forderungen droht das Potential der 99 Prozent zu verpuffen.

Wussten Sie, dass ...

... eine grobe Einschätzung der Occupy Bewegung in den USA ergab, dass circa zwei Drittel der Demonstranten unter 34 sind?

... in der Schweiz 1 Prozent der Menschen 59 Prozent des Vermögens besitzen? Die ärmsten 90 Prozent besitzen 17 Prozent des Vermögens.

... die Maske des grinsenden Mannes mit Ziegenbart, hinter der viele Occupy-Aktivisten ihr Gesicht verbergen, Guy Fawkes zeigt? Er versuchte 1605 das britische Parlament in die Luft zu sprengen. In der Comic-Verfilmung «V wie Vendetta» (2006) trägt der Held «V» diese Maske. Typisch für ihn sind Zitate wie «Ein Volk sollte keine Angst vor der Regierung haben. Die Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben!».

zuklappen

Dossier bewerten

  • Durchschnittliche Bewertung: 5
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Mehrwert