Gesellschaft
Dossier: Britisches Königshaus
Kaum ein Ereignis gab derart viel zu reden wie die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton Ende April 2011. Obschon Vermählungen von Royals längst keine staatspolitische Bedeutung mehr haben, verfolgten weltweit rund zwei Milliarden Menschen die Trauung im TV. Und trotz Intrigen und Skandalen am britischen Königshof hält die Mehrheit der Briten bis heute zur Monarchie. weiterlesen
Romanzen statt Politik
Es vergeht kein Tag, ohne dass die britische Presse über ihr Staatsoberhaupt Queen Elisabeth II. und ihre Entourage berichtet. Aber nicht etwa staatspolitische Entscheide füllen die Schlagzeilen – echte Macht haben die Königinnen und Könige der konstitutionell-parlamentarischen Monarchie Grossbritanniens schon lange keine mehr. Die Mitglieder des Königshauses machen vor allem durch Skandale, Scheidungen oder Romanzen von sich reden. Derzeitiges Gesprächsthema Nummer 1: Der Enkel der Königin, Prinz William, heiratete am 29. April seine Verlobte Kate Middleton, die sich seither Catherine Mountbatten-Windsor, Duchess of Cambridge, nennen darf.
Die älteste Königin aller Zeiten
Die Hochzeit wirft nicht zuletzt deshalb hohe Wellen, weil William und Kate dereinst das neue Königspaar werden könnten. Der nächste in der Thronfolge wäre zwar Williams Vater Prinz Charles. Doch würden viele Briten lieber den jungen William anstelle des 62-jährigen ewigen Thronanwärters als ihren nächsten König sehen. Seit über fünf Jahrzehnten hält nun Elisabeth II. für die Windsor-Dynastie das Zepter in der Hand. Mit bald 86 Jahren ist sie die älteste Monarchin in der englischen Geschichte. Elisabeth stammt aus der dritten Generation des Windsor-Clans, der seit 1910 an der Macht ist.
Frühe Entmachtung
Die Königreiche England und Schottland entwickelten sich im 11. Jahrhundert aus vielen kleineren Monarchien. Schon im 13. Jahrhundert musste das englische Königshaus allerdings die ersten Machteinbusse hinnehmen: Der einflussreiche Adel lehnte sich zunehmend gegen die Alleinherrscher auf und erzwang politische Freiheiten. Diese wurde ihnen in der «Magna Carta», dem grossen Freibrief, gewährt. Das Dokument gilt als Grundstein für die heutige parlamentarisch-konstitutionellen Monarchie Grossbritanniens.
Die Windsors
Durch die Heirat zwischen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und der damaligen britischen Königin Victoria 1840 gelangte das deutsche Adelsgeschlecht auf den Thron des Vereinigten Königreichs. Während des 1. Weltkrieges wuchsen das Ressentiment gegen Deutsche und damit auch der innenpolitische Druck auf den Monarchen mit dem deutschen Namen. Victorias Enkel, König George V., änderte deshalb den Namen 1917 in Windsor nach der gleichnamigen königlichen Residenz im Südwesten Londons um. Bereits 1936 erlitten die Windsors ihre erste grosse Krise. Nur ein knappes Jahr nach seiner Krönung dankte König Eduard VIII. ab – wegen seiner Liebschaft mit einer amerikanischen Bürgerlichen. Sein Bruder George VI., der Vater der heutigen Queen, übernahm darauf hin nur unfreiwillig die Krone.
Konstitutionelle-parlamentarische Monarchie
Das Staatsoberhaupt Grossbritanniens ist bis heute die Königin respektive der König geblieben. Jedoch kommt den Monarchen keine wirkliche politische Macht zu. Sie haben als Staatsoberhaupt lediglich repräsentative Aufgaben. Das Land wird demokratisch regiert: Das aus zwei Kammern bestehende Parlament (Legislative) und der Premierminister mit seinem Kabinett (Exekutive) stellen die Gewaltenteilung sicher. Die Königin von England verfügt zwar theoretisch über das Recht, die Regierung abzusetzen. Doch macht die britische Monarchie auf Grund eines jahrhundertealten Gewohnheitsrechts davon keinen Gebrauch.
Zahlen und Fakten
- Queen Elisabeth II. ist die 49. Monarchin Englands und wurde am 2. Juni 1953 gekrönt.
- Der offizielle Titel der Queen lautet: Elisabeth die Zweite, durch die Gnade Gottes Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland sowie ihrer anderen Länder und Territorien, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens.
- Die Königin ist nicht nur Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs, sondern auch von 15 weiteren ehemaligen britischen Kolonien wie Australien, Bahamas, Jamaika, Kanada, Neuseeland oder Papua-Neuguinea.
- 256 offizielle Staatsbesuche in 129 Ländern hat die Queen seit ihrer Krönung absolviert.
- 387‘000 Ehrungen und Preise hat Elisabeth II. während ihrer Regentschaft bisher verliehen.
- Der Buckingham Palast in London ist die offizielle Residenz des Königshauses in der Hauptstadt, im Londoner St. James Palast finden königliche Zeremonien statt.
- Der Buckingham Palast zählt 775 Zimmer, 52 davon sind Schlafzimmer für die Königsfamilie und ihre Gäste.


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