Gesellschaft
Dossier: Amokläufe – töten aus blinder Wut
13 Amokläufe in nur zehn Jahren – das ist die traurige Bilanz in der Schweiz. Die Tat-Motive sind sehr unterschiedlich. Typisch für Amokläufer ist aber: Das Blutvergiessen planen sie von langer Hand. weiterlesen
Blutbad von Zug kein Einzelfall
Aus Wut auf die Behörden schoss ein 57-jähriger Schweizer im September 2001 im Zuger Kantonsparlament wild um sich. Mit seiner Armeewaffe richtete er ein Blutbad an, 14 Personen mussten sterben. Es war der grausamste Amoklauf, den die Schweiz je erlebt hatte. Doch war die Schreckenstat kein Einzelfall: In den vergangenen zehn Jahren kam es alleine in der Schweiz zu 13 solcher Vorfälle.
Die Taten sind geplant
Besonders oft sorgen derartige Schreckenstaten auch in den USA für Schlagzeilen. Das Land verfügt über ein äusserst liberales Waffengesetz. In der Schweiz waren es mehrfach Sturmgewehre des Militärs, welche die Amokschützen für ihre Taten einsetzen. Welche Rolle die leichte Waffen-Verfügbarkeit in der Häufung solcher Fälle spielt, ist allerdings umstritten. Denn Amokläufer handeln selten aus dem Affekt heraus. Typischerweise sind ihre Taten von langer Hand geplant. Meist künden sie das Blutvergiessen verbal, per Brief oder sogar in Form von Youtube-Videos an.
Einsam, arbeitslos, gestresst
Ein typisches Psychogramm von Amokläufern gibt es nicht, ihre Beweggründe sind sehr unterschiedlich. Dennoch sind gewisse Parallelen augenfällig: Fast immer handelt es sich bei den Amokläufern um Männer. Mehr als die Hälfte hatte gemäss verschiedener Studien im Vorfeld mit psychischen Störungen zu kämpfen. Vereinsamung, Arbeitslosigkeit, Stress am Arbeitsplatz oder Konflikte in der Partnerschaft gehen den Taten häufig voraus. Und oft nimmt das willkürliche Töten ein abruptes Ende: Viele Amokläufer richten sich in ihrem Blutrausch schliesslich selber.
Der Begriff «Amok»
In blinder Wut angreifen und töten – das ist die Bedeutung des malaiischen Wortes «Amok». Die Kriminologie bedient sich dieses Begriffs, um eine lebensbedrohliche Gewaltattacke einer Einzelperson auf seine Mitmenschen zu umschreiben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Amok als «eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich zerstörerischen Verhaltens. Danach Amnesie (Erinnerungslosigkeit) und/oder Erschöpfung. Häufig auch der Umschlag in selbst-zerstörerisches Verhalten, d.h. Verwundung oder Verstümmelung bis zum Suizid (Selbsttötung)».




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